Die wahre Geschichte von BERUJI, einem speziellen Kangal

geschrieben von Prof. Dr. Lodigiani Giuliano, Capellen, 09. März 2006

Dies ist die Geschichte von „Berdus von Chaireddin Barbarossa“, 
einem „Kangal Prinz mit goldenem Herzen“ Berdus wurde am 28.03.2004 in Deutschland geboren.

Berdus bedeutet „Der unglücklich verliebte“ , wir nennen Ihn allerdings Beruji, eine Kombination aus Aramaic und Sanskrit, was „der Edle verliebte“ bedeutet. 
Meine Vorliebe für Kangals begann in 1970, als ich die Türkei durchreiste und dort auf diese wunderbaren Hunde traf. Vom ersten Moment an war ich zu tiefst beeindruckt von ihrer Eleganz, ihrer Ästhetik, ihrem ruhigen Benehmen, ihrer Selbstsicherheit, ihrer Wachsamkeit. Natürlich, gerade am Anfang wahrte ich den Abstand zu diesen Kolossen, die immerhin 80 bis 90 kg Muskelmasse mit angsteinflößenden Kiefern waren und so Eindringlinge auf sicherer Distanz hielten und dazu aufforderten keine falsche Bewegung zu machen, vor allem dann, wenn man überleben wollte.

Ich betrachtete sie ohne mich in irgendetwas einzumischen und wartete bis sie ganz von selbst auf mich zukamen. Die meisten verhielten sich ruhig und nach einigem Beschnuppern erlaubten sie mir sie zu berühren. - - - Was für ein wunderbares Gefühl von solchen Giganten akzeptiert zu werden. Von diesem ersten Moment an war ich in den Kangal verliebt.

Ich wollte selbst einige Kangals haben, aber zu dieser Zeit war ich Student und konnte weder in die Universität noch auf den Campus einen Hund mitnehmen. Mit schwerem Herzen beschloss ich sie in ihrem Land zu lassen, aber ich schwor mir selbst das ich, sobald mein professionelles Engagement es mir erlaubt ihm die beste Pflege zukommen zu lassen, mir einen zulegen würde.

Ich studierte und arbeitete in vielen Ländern auf vier Kontinenten, 30 Jahre lang behandelte ich Menschen jeder Rasse und Kultur. Ich bereiste 30 Länder um Vorträge zu halten, ich schrieb Bücher, ich war zu beschäftigt um mich um einen Hund kümmern zu können. Aber ich vergaß nie den Schwur, den ich mir 1970 gab, einen eigenen Kangal zu haben. Ihre Bilder waren immer in meinem Herzen. 

Letztendlich, nach 35 Jahren des Wartens, entschied ich für mich, dass es an der Zeit sei meinen Traum, mir einen eigenen Kangal anzuschaffen, in die Tat umzusetzen. Ich erkundigte mich und erbat mir einige Ratschläge von Ihrer Excellenz der Baroness Frau Elisabeth von Buchwaldt, einer der besten Liebhaber und Experten von Kangals in Europa und wahrscheinlich sogar in der Welt. 
Nachdem sie sich geduldig meinen Traum angehört hatte, verwies sie mich an Helga Schieritz, eine seriöse Züchterin und liebevollen Frau. 

Am 15.06.2004 um zwölf Uhr mittags ging ich ins Internet und sah die Bilder von 3 wundervollen Kangalwelpen. Ich nahm das Telefon zur Hand und rief Frau Schieritz an. Nach fünf Minuten erreichte ich jemanden und erklärte Nadja Schieritz, das ich mich sofort ins Auto setzen und losfahren würde. Ich konnte nicht eine Minute länger warten. Um 13:30 Uhr stieg ich ins Auto und fuhr 500 km, mit 180 km/h, um meinen ersten Kangal zu erstehen. 
Als ich bei Frau Schieritz ankam war ich so glücklich, 3 Generationen Kangals harmonisch mit den Familienmitgliedern und einem Kind zusammen lebend zu sehen. Ich lernte die Mutter und die Großmutter und auch den Onkel von Beruji kennen, alles wunderschöne Hunde, sehr gut erzogen und sehr gut gepflegt. Frau Helga Schieritz, ihre Töchter und ihr Enkelsohn waren so freundlich mir gegenüber das ich sofort wusste das ich am richtigen Platz zur richtigen Zeit war und das ich den besten Welpen bekommen würde, von dem ich so lange geträumt hatte. 

Beruji war so flaumig und süß das ich sofort verliebt war in ihn und ich fühlte das er mich akzeptierte, aber es war an mir ihn dazu zu bringen, durch meine Liebe und Fürsorge, mich auch zu lieben. Nach allen erforderlichen Formalitäten musste ich Frau Schieritz verlassen und Beruji war traurig seine Mutter und Brüder zurücklassen zu müssen, aber schweren Herzens mussten wir gehen.

Ich hatte Tränen in den Augen als wir auf der Autobahn fuhren, fühlte seinen Schmerz und begann für ihn zu singen, wie meine Mutter für mich gesungen hat, als ich ein Baby war.

Ich setzte ihn an meine Seite im Auto und streichelte ihn mit der rechten Hand. Glücklicherweise habe ich einen Automatik, so das ich mit der linken Hand fahren und ihn mit der rechten kraulen konnte, den ganz Heimweg lang. Ich habe sehr oft angehalten um mit ihm zu gehen, ihn trinken und ausruhen zu lassen. Wir kamen erst sehr spät in der Nacht an und er schlief die ganze Nacht in meinem Arm, so wie ein Sohn in seines Vaters Umarmung. Für die nächsten 2 Wochen verlegte ich mein Bett in den unteren Flur um bei ihm zu schlafen und seit diesem Moment ist er ein vollwertiges Familienmitglied, mehr wie unser eigener Sohn als wie ein Hund.

Manche Menschen mögen lachen, manche mögen ihre Köpfe schütteln, aber sicherlich gibt er meiner Freundin und mir so viel Liebe wie es Niemand glauben mag. Später kam er von allein die Treppen hinauf um auf seiner Matratze neben meinem Bett zu schlafen, wo er seitdem heute noch schläft. 

Er liebt es in meinem Wartezimmer meine Patienten zu begrüßen und ich muß sagen, all die Zeit hindurch verführte er Jeden, ohne Ausnahme. Alle meine Freunde haben sich in ihn verliebt.

Um ihn zu sozialisieren nahm ich ihn überall mit hin und er zeigte größtes Interesse an allen Orten, Aktivitäten und Menschen, die er traf. Wir gingen zur Hundeschule und lernten gemeinsam. Ich nahm ihn auch mit in den Urlaub. Er kam mit in Hotels und Restaurants, in den Bus, in den Zug, auf das Boot, auf den Fluss, auf den See und auf das Meer, in den Supermarkt, auch ins Stadion, wohin ich auch ging folgte er mir.

Langsam wuchs er auf und im Alter von 6 Monaten und 3 Tagen stellte ich ihn auf seiner ersten internationalen Hundeshow in Belgien vor, wo er Best of Breed und Best of Show gewann und dafür einen wundervollen Pokal und eine Medaille erhielt. Im Alter von 7 Monaten besuchten wir die Internationale Hundeshow in Frankreich, wo er den ersten Preis gewann, Best of Breed, 2. Platz Best of Show bei den Welpen, mit einem großen Pokal und einer Medaille. Im Alter von 9 Monaten besuchten wir die Internationale Hundeshow in Luxemburg wo er alle Preis gewann und Luxemburger Champion wurde.

Ab diesem Zeitpunkt besuchten wir sechs weitere internationale Hundeausstellungen in Belgien, Frankreich; Luxemburg und Deutschland wobei er überall den ersten Platz in seiner Klasse, CAC, CACIB, Best of Breed holte und im Alter von 18 Monaten hatte er bereit 
8 Pokale, 2 goldene Medaillen und 6 Diplome gewonnen. 
Er war ein Prinz, 85 cm groß und 70 kg Muskelmasse.

 

 

Aber das Schlimmste in seiner Geschichte passierte am 8. Dezember 2005 und ich rate euch allen die folgende Geschichte mit Vorsicht und aufmerksam zu lesen.

Die Große Katastrophe

Am Donnerstag den 8. Dezember 2005 so gegen 18:00 Uhr ging ich mit Beruji in einem Gebiet in der Nähe des Waldes spazieren, als er plötzlich ein wildes Kaninchen sah und sofort hinter ihm herlaufen wollte . Er zog mit einem solch starken Ruck an der Leine das der Stellring brach und er lief hinter dem Kaninchen her um es zu fangen. Ich rief ihn, aber ohne einen Erfolg. Ich suchte nach ihm bis um 04:30 Uhr am nächsten Morgen, aber er war nirgendwo. Ich war verzweifelt, er war noch nie von mir weggelaufen.

Am Morgen des 9. Dezembers alarmierte ich alle Polizeistationen, den Waldschutz, den Gleisschutz, die Arbeiter der Strassen und der Landstrassen, die Radios, die Zeitungen, den Tierschutz, die Tiersuchorganisationen in 5 Ländern und alle Leute die ich kannte. Ich bat alle meine Freunde, mir zu helfen, nach ihm zu suchen. Wir verteilten mehr als 4000 Plakate im ganzen Umkreis in Luxemburg, in Frankreich, in Belgien und Deutschland. Tausende von Leuten wussten das wir nach Beruji suchten, aber niemand sah ihn. Ich verbrachte das schrecklichste Weihnachten und das traurigste Neue Jahr meines Lebens, weil Beruji verschwunden war.

Ich suchte ihn in dem Gebiet und den Wäldern Tag und Nacht, bei Regen und Schnee. Das Wetter war so kalt, 10/15 Grad unter Null so das alle Seen und Flüsse gefroren waren und Beruji war dort ganz alleine, aber wo war er ? Wo konnten wir noch suchen? Keiner konnte mehr gelitten haben als wir, dennoch hörten wir nicht auf unermüdlich im Wald und in den Feldern nach ihm auszuschauen. Manchmal konnten wir die Schmerzen des Verlustes nicht mehr ertragen und wir schrieen, wir weinten, an das was er erleiden musste denkend, ohne irgendeine Verteidigung und im Alter von nur 18 Monaten, solch ein armer Junge.

Was für schreckliche Qualen und welch unermessliche Schmerzen kann er überstehen? Wie lange kann er überleben? Welch schrecklichen Tod müsste er ertragen? All diese Fragen, die in meinem Herzen rotierten, kamen vor meine Augen in meiner Einsamkeit. Kann Liebe durch Raum und Zeit reisen? Kann Liebe von einem Mann zu einem Hund übermittelt werden, wenn sie Meilen entfernt sind?

Könnte er an meine tiefe Liebe zu ihm glauben? Könnte er verstehen, dass ich und alle meine Freunde ihn mit allen möglichen Mitteln suchen? Könnte er die Stärke empfangen , die durch die enorme Kette der Solidarität produziert wurde, die wir um ihn und für ihn mobilisierten?

Am 16. Januar 2006, ungefähr um 12:00 Uhr rief die Polizei bei mir an und sagte, dass jemand einen Hund auf der anderen Seite des Waldes gefunden hat und wenn ich Interesse hätte könnte ich hingehen um zu sehen ob es mein Hund sei. In ungeduldiger Eile verließ ich mein Büro, setzte mich in mein Auto und fuhr dahin .- - -

Ich konnte meinen Augen kaum trauen, ich dachte ich träume! Ich zwickte mich in den Arm um aufzuwachen, aber ich war wach! Ich sah meinen Beruji im Gras liegen.

NACH 42 TAGEN; OHNE BEI MINUS 15° ETWAS ZU ESSEN, ATMETE BERUJI NOCH ,FAST NICHT MEHR,ABER NOCH LEBENDIG. 
EIN WAHRES WUNDER!

Während 42 Tagen hat er in einer Schlinge gesteckt, eine Art der Falle wie sie Wilddiebe im Wald verstecken um wilde Tier zu fangen. Während 42 Tage, wo er sich nicht bewegen konnte, nicht essen konnte, er wurde festgehalten durch die Schlinge.

WAS FÜR EINE AUSDAUER, WAS FÜR EINEN MUT, WELCHE ERNERGIE DES ÜBERLEBENS. WAS FÜR EIN KÖRPERLICHER WIEDERSTAND,WAS FÜR EIN GEIST. DIES UND MEHR SIND DIE GROßEN QUALITÄTEN VON BERUJI.

Ich ging dicht zu ihm und er erkannte mich sofort, aber er war so schwach das er nicht mit dem Schwanz wedeln konnte. Es lag auf der Hand das er in einem Koma war. Er war nur Haut und Knochen, er konnte nicht mehr stehen. Sein Atem war unhörbar, sein Herzschlag war fast nicht wahrnehmbar, selbst mit dem Stethoskop. Er war kalt wie eine Leiche. 
Ich kniete nieder, legte meine Arme um ihn, die Tränen liefen meine Wangen hinunter auf meine Brust, als ich ihn streichelte. Leicht hob ich ihn auf und legte ihn auf seine Matratze, ich nahm eine gute Decke aus dem Auto um ihn zu wärmen, fuhr so zu meiner Freundin und als sie ihn sah zerfloss sie in Tränen der Freude, genau wie mein Patienten, der noch im Büro wartete.

Wir riefen fast alle Doktoren an die wir und einige meiner Freunde kannten, die riefen wiederum die Doktoren an mit denen sie ratsuchend in Verbindung traten, weil Beruji 42 Tage lang eingeschlossen war, ohne was zu essen und noch lebte. Niemand konnte es glauben, niemand wusste überhaupt von einem anderen Fall dieser Art in seiner medizinischen Karriere, niemand konnte verstehen, wie er es geschafft hatte zu überleben. Alle medizinischen Fachleute wurden durch das außerordentliche Geschehen von Beruji überwältigt. Das zeigt die leistungsfähige Natur der Kangals, den besten Hunden der Welt.

 

Beruji kurz nach seiner Rettung

 

Während der nächsten Tage und Nächte war er in der Klinik. Er konnte nicht essen oder trinken, er erbrach sich, was auch immer wir versuchten ihm zu geben. So entschieden wir, mit ihm ein Reanimationsprogramm, bei dem er 12 Liter mit Elektrolyten und allen notwendigen Medikamenten versetzte Flüssigkeit zugeführt bekam durchzuführen. Wir waren fast die ganze Zeit bei ihm. 
Nach einigen Tagen gaben wir ihm speziell vorverdaute Nahrung und spezielle mit Mineralsalzen versetzte Flüssigkeit. Nach ein paar Tagen konnte mit nach hause nehmen und ihn da mit der speziellen Nahrung weiter alle 2 Stunden, Tag und Nacht, über eine weitere Woche hin zu versorgen. Er konnte selber nicht laufen, also trug ich ihn auf meinen Armen in den Garten, damit er seine Blase und den Darm leeren konnte. 
Ich habe das alles mit Liebe und Obacht getan. Ich bin überzeugt, dass er Dank der besten Versorgung und Zuneigung die er bekam überleben konnte.

Beruji gewinnt langsam seine alte Form zurück und bald ist er wieder der Meister der er gewesen ist und er kann sogar noch besser wie vorher werden.

Ich möchte meine ganz besondere Dankbarkeit zu meiner Freundin ausdrücken, die mir die größte Hilfe auf jedem Niveau gewesen ist und die mir in unzähligen Bemühungen zur Hand ging, sowie zu meinen sehr guten Freunden, denen Beruji und ich so viel Arbeit übertragen haben in der Qual. Ich danke den Einwohnern von Capellen und allen umliegenden Dörfern die halfen, Beruji zu suchen.. 
Ich segne sie alle.

Ich habe diese Geschichte an alle Leute, mit denen ich rund um die Welt in Verbindung stehe geschrieben, nicht um zu prahlen, sondern um zu zeigen, dass ein Kangal kein gewöhnlicher Hund ist. Ein Kangal muß verdient werden und kann nur einer Person gehören, die ihn so lieben und respektieren kann wie das eigene Kind. Gegründet auf einer Relation der Liebe können sie eine gegenseitige Harmonie und eine Mitarbeit zwischen sich und ihrem Kangal entwickeln und ich kann versichern das sie glücklich zusammen sind.

Sie lieben ihren Kangal und ihr Kangal liebt sie.

Prof. Dr. Lodigiani Giuliano

 

 

Prof. Dr. Lodigiani mit Beruji in Dortmund auf der Hundeausstellung

 

 

Ich danke Prof. Dr. Lodigiani dafür das er die Hoffnung nicht aufgegeben hat und das er Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt hat um Beruji wieder zu finden und das er nicht Kosten und Mühen gescheut hat um aus Beruji wieder den stolzen Prinz zu machen von dem er am Anfang geschrieben hat.

 


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